Finanzielle Freiheit vs. Durchschnittseinkommen

Sicher habt ihr euch auch schon einmal gefragt, ob es möglich ist mit einem durchschnittlichen Gehalt die finanzielle Unabhängigkeit zu erreichen und genau darum soll es im heutigen Blogbeitrag gehen.

Als Student frage ich mich manchmal, was ich später mit meinem Abschluss überhaupt verdienen kann, ob ich damit zufrieden sein kann und ob und wie lange es dauern könnte, damit finanziell frei zu werden. Nun gibt es natürlich verschiedene Statistiken darüber, wie der Durchschnittsverdienst oder das Einstiegsgehalt in einer gewissen Branche aussehen. Doch findet man auf verschiedenen Seiten, oftmals verschiedene Werte. In vielen Fällen, ist das Gehalt auch nur in Spannen angegeben, was die ganze Angelegenheit nochmal ungenauer macht. Und richtig sicher sein, dass man dieses Gehalt im Endeffekt auch wirklich bekommt, kann man sich sowieso nicht.

Ich habe daher die Überlegung angestellt, wie meine Zukunft mit einem durchschnittlichen Verdienst aussehen könnte. Mit einem Bachelor- oder Masterabschluss sollte ein durchschnittliches Einkommen auf jeden Fall erzielt werden können und diese Fragestellung ist sicherlich auch für viele weitere Leute interessant, schließlich kann nicht jeder überdurchschnittlich gut verdienen.

Wie hoch ist dieses Durchschnittseinkommen eigentlich?

Laut statistischem Bundesamt betrug das durchschnittliche Nettoeinkommen eines Alleinlebenden in Deutschland im Jahr 2014, 1.913€. Das scheint ein ganz angenehmer Betrag zu sein, wenn man sich überlegt, dass viele Personen für Mindestlohn bzw. sogar weniger arbeiten oder Hartz IV bekommen.

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Wie ich die finanzielle Freiheit für mich definiert habe, hatten wir ja bereits in meinem Blogbeitrag: Finanzielle Freiheit – Was ist das? geklärt. Also lasst uns das einmal kurz überschlagen:

  • Die jährliche Rendite des Aktienmarktes beträgt so ca. 7%. Da wir sicherlich irgendwann Steuern auf unsere Gewinne und Dividenden zahlen müssen, ziehe ich vereinfachend die 26,375% ab und erhalte eine Rendite von 5,13% p.a.
  • Die Ansparphase beträgt 30 Jahre, schließlich wollen wir alle etwas eher in Rente gehen.
  • Damit ich 5000€ im Monat zur Verfügung habe, muss ich rund 6.791€ Dividenden kassieren, da schließlich auch hier die Steuern gezahlt werden müssen.
  • Als Zinsertrag in der Auszahlungsphase setze ich 3% an. Ein Wert den man mit Dividendenaktien gut erreichen kann.
  • Auszahlungsmöglichkeit 1: Ewige Rente, das Kapital wird nicht angegriffen.
  • Auszahlungsmöglichkeit 2: 30 Jahre Rente, das Kapital wird komplett verzehrt.

Wichtig: Das ist nur eine sehr vereinfachende Darstellung. Da oftmals allerdings gänzlich ohne Steuern gerechnet wird, möchte ich diese in meiner Berechnung zumindest ungefähr mit einfließen lassen.

Mithilfe des Entnahmerechners (http://www.zinsen-berechnen.de/entnahmeplan.php), den ich euch bereits vorgestellt hatte, lässt sich unter diesen Annahmen ganz einfach das notwendige Vermögen berechnen. Für eine Auszahlungsmöglichkeit 1, welche ich natürlich bevorzuge, wird ein Vermögen in Höhe von rund 2.761.000€ benötigt. Bei Variante 2, sind es rund 1.623.000€, also eine ganze Ecke weniger. Jedoch bleibt ja am Ende auch nichts übrig davon.

Mithilfe von Excel und der „Was-wäre-wenn-Analyse“, welche man unter dem Reiter „Daten“ finden kann, lassen sich Formeln auflösen und ich konnte so ganz einfach, den notwendigen monatlichen Sparbetrag berechnen. Die zugrundeliegende Formel dafür lautet: K = R * q * (q^n – 1) / (q – 1). Im kommenden Beitrag, werden ich noch einmal näher auf diese eingehen.

Heraus kommt dabei die monatliche Sparrate von 3.297€ bzw. 1.938€. Dies lässt sich mit einem durchschnittlichen Gehalt natürlich nicht erreichen. Egal wie eisern gespart wird. Ein großer Schritt wäre es ja schon, wenn man im Rentenalter zumindest das durchschnittliche Einkommen zur Verfügung hätte. Um 1.913€ nach Steuern monatlich zu erhalten, benötigen wir rund 2.598€ an Dividendeneinnahmen. Um dies zu gewährleisten, benötigen wir zumindest ein vermögen von 621.000€. Dies wäre zwar nach 30 Jahren aufgebraucht, aber zumindest ergibt sich hierbei eine Sparrate von 741,57€. Das entspricht knapp 39% (38,7648%) des durchschnittlichen monatlichen Nettoeinkommens. Hier sind wir also schon einmal im machbaren Bereich. Das ist doch eine tolle Nachricht. 😀

Leider müssen wir allerdings noch einen Schritt zurück machen. Das durchschnittliche Einkommen ist leider nicht allzu aussagekräftig, da es von wenigen extrem reichen Personen starke nach oben gezogen wird. Eine bessere Aussagefähigkeit lässt sich durch das Medianeinkommen oder auch mittleres Einkommen genannt, erzielen. Das ist genau der Betrag, bei dem es genauso viele Menschen mit einem höheren Einkommen wie mit einem niedrigerem Einkommen gibt. (https://www.diw.de/de/diw_01.c.413351.de/presse/diw_glossar/medianeinkommen.html) Im Jahr 2014 betrug es 1.528€ netto monatlich. (http://www.boeckler.de/wsi_50933.htm)

Unser Ergebnis sieht dann wie folgt aus, wir benötigen monatliche Einnahmen von 2.075€. Dies ist möglich mit einem Vermögen von 496.000€. Um dies zu erreichen müssen über 30 Jahre monatlich 592€ gespart werden, was wieder knapp 39% (38,7618%) unseres Nettoverdienstes entspricht.

In der folgenden Tabelle sind die Zahlen zum besseren Verständnis übersichtlich zusammengefasst:

Vermögen Sparrate Bruttorente Nettorente
Ewige Rente 2.761.000,00 € 3.297,00 € 6.791,00 € 5.000,00 €
Rest = 0 1.623.000,00 € 1.938,00 € 6.791,00 € 5.000,00 €
Rest = 0 621.000,00 € 741,57 € 2.598,00 € 1.913,00 €
Rest = 0 496.000,00 € 592,00 € 2.075,00 € 1.528,00 €

Betrachten wir die Sparraten der letzten beiden Beispiele, fällt auf, dass diese sich ziemlich ähnlich sind. Schaut man sich die Formel an, ist das auch vollkommen logisch, wir haben ja nur die monatliche Rate geändert. Dies hat natürlich zur Folge, dass das Gesamtkapital sich verändert, jedoch bleibt ja das Verhältnis dieser beiden Größen die ganze Zeit über gleich.

Damit lässt sich festhalten, dass sich jeder sein aktuelles Einkommensniveau erhalten kann, indem er 30 Jahre lang, monatlich 39% seines Nettoeinkommens spart und investiert. Die Inflation wird hierbei natürlich vernachlässigt, doch vielleicht kann diese ja durch die gesetzliche Rente die zu diesem Einkommen ja noch dazu kommt, kompensiert werden.

Interessiert euch auch wie hoch die prozentuale Sparrate liegt, wenn man sein Kapital nicht angreifen will? Für eine ewige Rente müssten wir 66% unseres Nettoeinkommens monatlich sparen.

„Der Wege, sich zu bereichern, sind viele. Sparsamkeit ist einer der besten!“

Francis Bacon

Ab welchem monatlichen Nettoeinkommen denkt ihr, seid ihr in der Lage 66% davon auf die hohe Kante zu legen?

P.S.: Ich habe abschließend nochmal eine Betrachtung mit 7% Rendite p.a. vorgenommen und die Steuern erst nachträglich abgezogen. Im 1. Fall der ewigen Rente kommt man damit auf eine monatliche Sparrate von 3.187,47€, was lediglich einer Abweichung von 3,3% entspricht. Da das Szenario von 30 Jahre lang sparen, währenddessen keine Dividenden/Zinsen kassieren und erst am Ende dieser Laufzeit Steuern für die gesamten angelaufenen Gewinne zu zahlen, ziemlich unwahrscheinlich ist, bin ich mit dem Ergebnis meiner Betrachtung ziemlich zufrieden. Zum Vergleich, rechnet man mit 7% und vernachlässigt dabei die Steuern, erhält man eine monatlich Sparrate von 2.346,77€. Aufgrund der Steuern weicht das Ergebnis mindestens 26,375% ab, was mir persönlich viel zu viel wäre, da ich so gar keinen Eindruck gewinnen kann, wie hoch meine Sparrate ungefähr sein muss, um mein Ziel zu erreichen.

Bei Fragen, Verbesserungsvorschlägen oder wenn ich einen groben Schnitzer drin habe, einfach schnell Bescheid geben. Ich hoffe euch gefällt der Eintrag auch trotz der vielen Zahlen. 😀

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6 Gedanken zu “Finanzielle Freiheit vs. Durchschnittseinkommen

  1. Hallo mein lieber,
    Bin jüngst über Deinen Blog gestolpert, gefällt mir sehr gut und bin gespannt, wie er weiter wächst.
    Bei diesem Artikel bin ich allerdings nicht ganz sicher, ob die richtige Schlussfolgerung gezogen wird. Die von Dir genannte Sparrate von rd. 40% ist für viele unmöglich zu erreichen, insb. für jene die den von Dir zitierten Durschnittlohn von Netto ca. €1900/Monat oder darunter beziehen. Der Artikel scheint zu suggerieren, dass finanzielle Freiheit so ziemlich unabhängig vom Einkommen erzielt werden kann.
    In folgendem Artikel habe ich eine doch etwas konträre Meinung bezogen: https://meinefinanziellefreiheit.com/2016/06/16/finanziell-frei-mit-durchschnittseinkommen-und-sparsamkeit-leider-nein/
    Viele Grüße,
    FF

    Gefällt 1 Person

    1. Hey FF,

      es freut mich sehr, dass dir der Blog gefällt. Ich bin auch bereits auf deinem gelandet und habe den verlinkten Beitrag von dir schon gelesen.
      Anfangs wollte ich eine Überschrift nach dem Motto: „Jeder kann finanziell frei werden.“ Allerdings hat mir das nicht wirklich gefallen, so dass ich mich dann nochmal umentschieden habe.
      Ich verstehe genau was du meinst. Ich hätte das wahrscheinlich noch etwas deutlicher abgrenzen sollen. Es ist ja so, dass finanzielle Freiheit für jeden etwas anderes ist. Aus diesem Grund kann ich die Frage, ob sie für jeden mit einem Durchschnittseinkommen erreichbar ist, überhaupt nicht beantworten. Am Beispiel meiner eigenen Vorstellung von finanzieller Freiheit habe ich gezeigt, dass ein Durchschnittseinkommen definitiv nicht ausreicht.
      Der zweite Schritt war dann zu schauen, unter welchen Bedingungen es möglich ist, seinen aktuellen Nettoverdienst über ein passives Einkommen zu beziehen. Da bin ich eben auf die knapp 40% bzw. dann die 66% gekommen. Ob diese Sparrate für Leute mit einem Durchschnittseinkommen überhaupt machbar ist, werde ich vielleicht in einem kommendem Blogeintrag nochmal aufgreifen. Das ist auf jeden Fall noch einmal eine interessante Sache, vielen Dank dafür 🙂
      Jetzt hätte ich noch eine Frage an dich. Ab welchem Nettoeinkommen würdest du sagen, wäre es möglich 40% zu sparen bzw. ab welchem die 66%.
      Freue mich auf deine Antwort.

      VG
      Christian

      Gefällt mir

      1. Hallo Christian,
        Ich glaube nicht, dass man eine fixe, optimale Sparquote nennen kann. Dies wird sowohl von der Einkommenshöhe als auch von den Lebenskosten abhängen. Ein gut verdienender „Extremfrugalist“ wird mit einem schlecht verdienenden Konsumjunkie kaum zu vergleichen sein. Habe in diversen Büchern und Blogs die verschiedensten Empfehlungen von 10-60%, bis hin zum Begriff „Berserkersparen“ gelesen…
        Ich hätte aber zwei Anregungen:
        1) Mit niedriger Sparquote starten und diese schrittweise und automatisch steigern: https://meinefinanziellefreiheit.com/2016/06/30/automatisiertes-sparen/
        2) Einfach mal beginnen, die initiale Sparquote kann recht einfach aufgestellt werden: https://meinefinanziellefreiheit.com/2016/07/28/wie-man-mit-dem-sparen-beginnt/
        Viel Erfolg und viele Grüße,
        FF

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