Der Durchschnittskosten bzw. Cost Average Effekt

Das Thema Investieren mit einem Durchschnittseinkommen hatten wir ja bereits vor ein paar Wochen behandelt. Heute soll es hingegen um Durchschnittskosten, genauer um den Cost Average Effekt gehen. Sicher wissen viele von euch mit diesem Begriff etwas anzufangen oder können sich anhand des Namens schon denken worum es geht. Trotzdem möchte ich zu Beginn mit einer kleinen Erläuterung starten.

So ziemlich jeder Anleger oder Investor stellt sich die Frage:

Wann ist der richtige Zeitpunkt gekommen um zu kaufen?

Dank des Durchschnittskosteneffektes brauchen wir uns mit der Suche nach der Antwort darauf, nicht zu quälen. Denn hierbei wird diese Fragestellung komplett vernachlässigt. Stattdessen wird stetig, bspw. monatlich für einen bestimmten, vorher festgelegten Betrag gekauft. Dadurch ergibt sich ein Durchschnittskaufkurs, welcher niemals optimal, allerdings auch nie suboptimal sein wird.

Betrachten wir das einmal an einem simplen Beispiel:

Monat Betrag Aktienkurs Aktienanteile
Juli 100 € 50 € 2,00
August 100 € 25 € 4,00
September 100 € 40 € 2,50
November 100 € 60 € 1,67
Dezember 100 € 75 € 1,33
Ergebnis 500 € 50 € 11,50
Durchschnittskosten 43,48 €

Wir haben also über den gesamten Zeitraum von 5 Monaten 500€ investiert, der durchschnittliche Kurs betrug dabei 50€. Dadurch, dass der Betrag den wir investiert haben immer konstant geblieben ist, haben wir bei niedrigen Kursen mehr Anteile gekauft und bei höheren Kursen dementsprechend weniger. Am Ende ergibt sich für uns ein Durchschnittspreis von 43,48€. Das ist deutlich niedriger. Unsere Aussichten auf zukünfitge Gewinne scheinen deutlich gestiegen zu sein.

So denken auch die Medien und bewerben den Cost Average Effekt als ein Mittel um überdurchschnittlich hohe Renditen zu erwirtschaften. Schönes Paradoxon, doch mit solch einfachen Beispielen hat man den Gelegenheitsinvestor sicher schnell überzeugt. Springen wir zurück zur Baisse der Jahre 2000 bis 2002. Die Kurse waren gefallen, doch Anleger hätten trotzdem Gewinne einfahren können. Ihr fragt euch wie? Lest selbst!1

„Wer hingegen 1999 einen Sparplan in die selben Fonds begann, sich in der Baisse nicht beirren ließ, und sein „Kaufprogramm“ diszipliniert durchzog, wird in diesen Tagen mit Freude beim Studium seiner Depotauszüge feststellen, daß er über mehr Geld in den Positionen verfügt, als er netto eingezahlt hat – und das, obwohl der aktuelle Anteilswert deutlich unterhalb der ersten Kaufpreise des Jahres 1999 lag. Möglich gemacht hat dies der Cost Average Effekt.“

Das klingt wirklich toll. Mir stellt sich nun allerdings die Frage:

Wo ist der Haken?

In der Literatur ist man sich nicht wirklich einig. Die einen Autoren finden Cost Average Strategien wunderbar, während die anderen eine Einmalanlage vorziehen und der Rest hält sich irgendwo in der Mitte dieser beiden Varianten auf.

Was mir allerdings spontan einfällt sind Transaktionskosten. Bei meinem Broker wären das 0,25%, allerdings mindestens 8,99€, dazu kommen noch einmal 0,98€ Börsengebühr. Das würde ca. 10% der oben genannten Sparrate ausmachen. Das ist mehr als nur zu viel. Um dieses Problem zu lösen, gibt es Sparpläne die sich automatisch einstellen lassen, d.h. das Geld wird automatisch jeden Monat in das ausgewählte Wertpapier, ETF, etc. investiert. Für angelegte Sparpläne wird diese Mindesttransaktionsgebühr außer Kraft gesetzt. Stattdessen bezahlt man bei meinem Broker immer 2,5% zzgl. Börsengebühr. Mir persönlich ist das immer noch zu viel und der Grund weshalb ich bis jetzt noch keinen ETF-Sparplan eröffnet habe. Aber ich schweife ab, also ein negativer Fakt sind die Transaktionskosten, hier gilt es also darauf zu achten, diese möglichst klein zu halten oder gewisse Aktionen auszunutzen um sie gänzlich zu eliminieren. Das bringt uns zu der Frage:

Welche Investitionsfrequenz ist optimal?

„You may be wondering, when is the right time to invest my money? And how should I invest – a little bit at a time or all at once?“

James Patrick

Ich habe ein sehr interessantes Paper dazu gefunden, welches sich mit dieser Frage beschäftigt und auch intensiv auf die dahinterstehende Mathematik eingeht. Verglichen werden eine Einmalanlage und Sparpläne mit jährlicher, monatlicher und kontinuierlicher Einzahlung.

Die Untersuchung basiert auf dem Black-Scholes-Modell. Es wird von einem Anfangskapital von 1000€ ausgegangen. Der Investitionszeitraum beträgt 40 Jahre. Von dem Kapital wird ein komplexes Asset gekauft, welches eine mittlere Rendite von 8% und eine Standardabweichung von 20% besitzt. Zusätzlich existiert ein risikoloser stetiger Zinsssatz von 4%.

So viel zu den Gegebenheiten, nun aber zum spannenden Teil.

Die Einmalanlage entscheidet das Rennen ganz deutlich für sich. Sie weist das höchste mittlere Endvermögen auf.

Einmal jährlich monatlich kontinuierlich
24.533 € 15.038 € 14.767 € 14.743 €

Die Unterschiede zwischen den Sparplänen fallen dabei eher gering aus. Ursache dafür ist es, dass bei einer Einmalanlage das Geld von Anfang an in vollem Umfang arbeiten kann (Stichwort Dividenden). Da das Asset mehr Ertrag verspricht, als der risikolose Zins, geht eine verzögerte Investition mit einem teilweisen Verzicht auf Rendite einher.

Das heißt der Cost Average Effekt erzeugt doch keine Überrenditen, wie es im Marketing gern dargestellt wird. Sollten wir den Cost Average Effekt deswegen gleich wieder vergessen und uns andere Möglichkeiten suchen? Mit Sicherheit nicht!

Denn, durch den Cost Average Effekt senken wir die Standardabweichung und damit das Risiko unseres Portfolios enorm.

Einmal  jährlich  monatlich  kontinuierlich 
48.776 € 20.565 € 19.911 € 19.852 €

Wie man sieht, weist die Einmalanlage eine mehr als doppelt so große Standarabweichung auf, als der jährliche Investitionsplan. Auch hier ist es wieder so, dass es zwischen den verschiedenen Sparplänen nur geringe Unterschiede auf eine Sicht von 40 Jahren gibt.

Hier schließt sich nun der Risiko-Rendite Kreis. Denn Sparpläne weisen aufgrund der verteilten Investitionen ein geringeres Risiko auf, jedoch muss dadurch auch auf einen gewissen Teil an Rendite verzichtet werden. Jeder muss hier also gemäß seinem eigenem Risikoprofil selbst entscheiden welche Variante er wählt.

Was sich allerdings sagen lässt, dass Sparintervalle die kürzer als 1 Monat sind, bei langfristigen Investitionen kaum Sinn machen. Für mich würde die Wahl wohl eher auf quartals oder halbjährliche Sparintervalle fallen, da ich gewillt bin so lange wie möglich zu investieren. Im besten Fall bedeutet das gar nicht mehr zu verkaufen.

Abschließend noch ein Fakt, der für den Cost Average Effekt spricht. Nur wenige Personen haben bevor sie ihre erste Investition tätigen einen großen Betrag zur Verfügung, so dass sich für den Großteil die Frage nach Einmalanlage oder Sparplan gar nicht wirklich stellt. Bei den meisten handelt es sich um ein geregeltes Einkommen, von dem ein gewisser Anteil gespart werden soll.

Wie seht ihr den Cost Average Effekt? Nutzt ihr ihn oder tendiert ihr eher zur Einmalanlage? Welche Sparintervalle wären für euch optimal?


  1. Drescher und Cie (2003), S.1. 
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4 Gedanken zu “Der Durchschnittskosten bzw. Cost Average Effekt

  1. Grüß dich,
    Ich verstehe leider nicht, wie du auf das zweite Beispiel kommst? Auch ob du die Transaktionskosten mit ein rechnest?
    Ich bin bei flatex und zahle für meine ETF-Sparpläne keine Gebühren! Somit wird mein Geld 1:1 in ETF-Anteile umgewandelt. Das ist mit Fortdauer des Investierens natürlich ein großer Vorteil!
    Liebe Grüße
    Florian

    Gefällt 1 Person

  2. Hallo Florian,

    ich vermute du meinst das Beispiel aus dem Paper mit den 1000€ über 40 Jahre? Falls ja, das hab ich aus der verlinkten Studie übernommen. Transaktionskosten wurden dabei nicht berücksichtigt. Vielleicht kannst du nochmal konkretisieren was genau du nicht verstehst, damit ich alle Unklarheiten beseitigen kann 🙂

    Da hast du es gut, ich bin beim sbroker und die verlangen leider in der Regel 2,5% Gebühren. Deka ETF-Sparpläne erhält man bis zu einer Sparplanrate von 500€ ohne Oderentgelt und von Zeit zu Zeit gibt es auch ein paar Angebote, wo man ETF-Sparpläne ohne Orderentgelt abschließen kann.

    Viele Grüße
    Christian

    Gefällt mir

  3. Hi,
    Danke für den Artikel, der auch für mich interessante neue Aspekte enthielt. Ich investiere monatlich, alles andere erscheint mir nicht wirklich praktiable, bzw. schlagen Transaktionskosten zu Buche.
    Du hast recht, dass es beim Cost Averaging um eine Strategie zur Risikominimierung handelt, nicht aber um eine Strategie zum Erzielen magischer Überrenditen 😉
    Um ein vollständiges Bild zum Thema zu geben, weise ich gern auf zwei Artikeln hin, denn ich denke, dass zwischen Cost Averaging und der Investition eines großen Geldbetrages ein großer Unterschied besteht:
    1) https://meinefinanziellefreiheit.com/2016/11/17/investieren-mit-dem-durchschnitt-der-cost-average-effekt/
    2) https://meinefinanziellefreiheit.com/2017/04/13/grosser-geldbetrag/
    Viele Grüße
    MFF

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