Optionen Teil 3

Im 3. Teil der Beitragsserie über Optionen möchte ich euch gedeckte Optionen, sowie den Handel auf Margin näher bringen. Beide Handlungsarten haben ihre Vor- und Nachteile in Hinsicht auf Risiko und Rendite. Jeder sollte daher aufgrund seines eigenen Risiko-Rendite-Profils entscheiden welche Variante er bevorzugt.

Falls ihr die ersten beiden Beiträge verpasst habt oder nochmal vorbeischauen wollt. Hier geht’s lang:

O … wie Oliven und Optionen
Optionen Teil 2

Gedeckte Optionen

Für Anfänger empfiehlt es sich ausschließlich gedeckte Optionen zu handeln, um mögliche Verluste von vornherein zu begrenzen. Gedeckt bedeutet dabei, dass wenn ihr euer Brokerdepot bspw. mit der Mindestkapitalisierung von 3.000€ einrichtet, ihr lediglich Puts mit einem Strike von max. 30€ verkaufen könnt. Da sich ein Optionskontrakt wie bereits beschrieben immer auf 100 Aktien bezieht, würdet ihr im Fall einer Ausübung 100 Aktien zum Preis von 30€, also insgesamt 3.000€ kaufen müssen. Da ihr ja genau so viel Geld auch auf dem Konto habt, ist euer Put gedeckt. Im schlechtesten Fall könnte die Aktie auf 0€ sinken und ihr hätte eure 3.000€ abzüglich der eingenommenen Optionsprämie verloren. Ihr fahrt also praktisch dasselbe Risiko, als wenn ihr die Aktie direkt gekauft hättet. Allerdings mit dem Vorteil, dass ihr vermutlich einen günstigeren Einstiegskurs als bei einem sofortigen Kauf erhalten habt und ihr eine Optionsprämie einnehmt.

Bei Calls spricht man von gedeckt, wenn man bereits im Besitz der Aktien ist. Man spricht dann von einem Covered Call. Bei Ausübung würden euch hierbei die Aktien einfach aus dem Depot zum jeweiligen Strikepreis ausgebucht.

Handel auf Margin

Im Vergleich zum Handel mit gedeckten Optionen birgt der Handel auf Margin höhere Risiken, lockt hingegen auch mit höheren Renditen.

Anstatt die Aktien bei Ausübung mit dem eingezahlten Kapital zu kaufen, muss beim Handel auf Margin lediglich eine Sicherheitsleistung, die sogenannte Margin hinterlegt werden. Diese beträgt allerdings nur einen bestimmten Anteil der eigentlichen Positionsgröße. Bei dem von mir verkauften Put auf General Electric, beträgt die Margin bei einem Strike von 31$ (2 Tage Restlaufzeit, aktueller Kurs 29,30$), ca. 737$, anstatt der 3.100$ die beim Handel von gedeckten Optionen notwendig wären. Das entspricht ca. 23,8%. Diese ist natürlich vom Basiswert und der Marktlage abhängig und wird vom Broker auch permanent angepasst. Mein verkaufter Put auf JNJ mit dem Strike 110 (9 Tage Restlaufzeit, aktueller Kurs 113,50$) hat aktuell eine Marginanforderung von 1.932$, was lediglich 1,8% entspricht.

Ihr seht, dass die Marginanforderungen ziemlich verschieden sein können. Außerdem verändert sich die geforderte Margin auch. Je nach dem ob sich der Basiswert negativ oder positiv entwickelt, erhöht oder verringert sich die Margin. Ein gewisser Betrag wird vom Broker allerdings immer gefordert werden, diesen nennt man Maintenance Margin. Die Margin setzt sich somit aus einem fixen und einem variablen Teil zusammen. Bei meinem Broker ist es möglich, in der Kontoverwaltung einen Stresstest zu simulieren und sich anzeigen zu lassen, wie sich die geforderte Margin verändern würde, wenn die jeweiligen Basiswerte um 10%, 20% oder 30% fallen/steigen würden.

Der Vorteil der Margin ist natürlich, dass nun anstatt einer Option, mehrere Optionen gleichzeitig gehandelt werden könnten. Das erhöht allerdings nicht nur die Aussicht auf eine tolle Rendite, sondern natürlich auch das Risiko. Außerdem sollte die Margin nie komplett ausgereizt werden. Denn sollte eine gegenläufige Marktbewegung einsetzen, die Volatilität sich erhöhen etc. pp., wird eure Margin nach oben hin angepasst. Ihr würdet dann einen Margin-Call erhalten und müsstet schleunigst Geld nachschießen. Kommt ihr dem nicht nach, weil ihr nicht könnt oder nicht wollt, werden eure Positionen vom Broker liquidiert und ihr fahrt dann vermutlich hohe Verluste ein. Diese können dann sogar euer eingesetztes Kapital übersteigen. Damit das nicht passiert, solltet ihr unbedingt immer einen gewissen Puffer aufrecht erhalten. Ich habe mich auf verschiedenen Blogs umgesehen und jeder handhabt es natürlich etwas anders, doch 70% Marginauslastung war das höchste von dem ich gelesen habe. Viele arbeiten mit einer Obergrenze von 60% und der Hauptteil empfiehlt eine maximale Marginauslastung von 50%.

Als Anfänger sollte man aufgrund des Risikos erst einmal mit einem Cashkonto starten, später auf ein Marginkonto upgraden und niedrige Auslastungsquoten fahren bis man ein Gefühl dafür hat, wie sich das ganze so verhält.

Meine Marginauslastung betrug vor 2 Wochen noch 71,4%, was mir ein gutes Stück zu hoch war. Als ich die Positionen eröffnet hatte, lag ich noch bei ca. 65%. Da die Restlaufzeit allerdings nur noch sehr gering war (wenige Tage), stellte es für mich vorerst kein Problem dar. Ich werde allerdings künftig darauf achten, dass meine Marginauslastung bei Eröffnung einer Position schon deutlich niedriger ist, so dass ich ein größeres Polster habe. Aktuell weißt mein Depot eine Marginauslastung von etwa 50% auf, was ich auch als Obergrenze für mich festgesetzt habe.

„Ich kann Ihnen nicht sagen, wie man schnell reich wird; ich kann Ihnen aber sagen, wie man schnell arm wird: indem man nämlich versucht, schnell reich zu werden.“

André Kostolany

Bezogen auf den Optionshandel: setzt euch eine Obergrenze der Marginauslastung, bei der ihr einen ausreichend großen Puffer habt und haltet diese konsequent ein. Verzichtet lieber auf ein paar Prozent Rendite im Jahr und fahrt stattdessen ein wesentlich geringeres Risiko. Auch bei 50% Marginauslastung können mit Optionen sehr gute Renditen erzielt werden.

Welche Erfahrungen habt ihr gemacht? Hattet ihr vielleicht schonmal einen Margin Call? Was ist eure Obergrenze? Ich freue mich auf eure Kommentare 🙂

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5 Gedanken zu “Optionen Teil 3

  1. Sehr schön zusammengefasst! 🙂

    Ich handhabe es auch so, dass ich maximal 50% der Margin auslaste, außer ich habe gerade ein paar Earnings-trades am laufen, die ich am nächsten Tag sowieso wieder schließe, auch wenn ich einen Verlust erleide.

    mfG Chri

    Gefällt 1 Person

    1. Vielen Dank 🙂
      Ja in dem Fall, sind die Risiken ja begrenzt wenn man so kurzfristig unterwegs ist. Und am nächsten Tag definitiv wieder schließt. Bei deinem Depotwert wird ein Earningstrade vermutlich auch nicht so stark ins Gewicht fallen, so dass du im Endeffekt wahrscheinlich gar nicht so viel über die 50% drüber bist, oder?

      Gefällt 1 Person

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