Die Optionskette und die Griechen

Herzlich Wilkommen zum vierten und vorerst letzten Teil der Optionsserie. In den vergangenen Beiträgen haben wir uns mit der Geschichte von Optionen beschäftigt, sind mit einigen grundlegenden Begriffen eingestiegen und haben uns dann über die Rechte und Pflichten von Calls und Puts, deren inneren Werten und Zeitwerten, bis hin zu den verschiedenen Moneyness-Begriffen vorgearbeitet. Das letzte mal ging es dann um gedeckte Optionen und den Handel auf Margin. Heute wollen wir uns der Optionskette sowie den Kennzahlen Delta, Gamma, Vega und Theta (oder kurz: „Die Griechen“) widmen.

Falls ihr in die anderen Beiträge noch einmal reinschauen wollt. Hier geht’s lang:

O … wie Oliven und Optionen
Optionen Teil 2
Optionen Teil 3

Die Optionskette

Damit ihr gleich wisst, was ihr euch unter einer Optionskette vorstellen müsst, beginnen wir mit einem Bild:

Apple Optionskette

Edit: Da die Qualität des letztens Screenshots sehr schlecht war, habe ich nochmal einen neuen gemacht, hochgeladen und die Zahlen im Beitrag dementsprechend angepasst. Leider ist die Qualität immer noch nicht wirklich zufriedenstellend. Scheinbar geht sehr viel beim Upload verloren, da der Screenshot an sich bei mir auf dem Rechner eine wesentlich bessere Auflösung aufweist. Ich hoffe ihr könnt trotzdem alles erkennen. Hint: Mit Rechtsklick –> in neuem Tab öffnen, hat der Screenshot nochmal bessere Qualität. 😀

Auf diesem Bild seht ihr die Optionskette von AAPL (Apple) für den 13. April 2017, die ich mir in meiner Trader Workstation (TWS) aufgerufen habe. In dieser sind sämtliche Strikes (Basispreise, genau in der Mitte senkrecht zu sehen) mit den jeweiligen Preisen und Kennzahlen aufgelistet. Wie ihr am rechten Rand des Bildes erkennen könnt, lässt sich hier noch nach oben und unten scrollen, d.h. es sind noch einige Strikes mehr verfügbar, auf die Optionen gehandelt werden können.

Die Optionskette unterteilt sich einmal in Call-Seite (links) und Put-Seite (rechts), sowie durch die Farbwechsel gekennzeichnet, in oberhalb und unterhalb des aktuellen Kurses. Die gelb-grünlich hinterlegten Bereiche sind dabei die Out-of-the-money (OTM) Optionen, wohingegen die bläulich hinterlegten Bereiche die In-the-money (ITM) Optionen beinhalten. Daraus lässt sich bereits an der Optionskette ablesen, dass der Kurs der Apple Aktie zum Zeitpunkt des Screenshots zwischen 140$ und 141$ lag.

Soweit so gut, kommen wir zu den einzelnen Spalten.

Die linke und rechte Hälfte enthalten die selben Spaltenbezeichnungen, doch natürlich unterscheiden sich die darin dargestellten Werte, da es sich ja links um Calls und rechts um Puts handelt. Die Spaltenbezeichnungen sind dabei in der Regel: Geld- und Briefkurs, Last (Letzter Kurs), Volumen, Offene Positionen (Open Interest), Delta, Gamma, Vega, Theta.

Geld- und Briefkurs:

geben an zu welchem Kurs ihr Optionen verkaufen (Geldkurs) oder kaufen (Briefkurs) könnt. Zusätzlich zeigt euch die Geld-Brief-Spanne (auch Spread genannt), also die Differenz zwischen Geld- und Briefkurs an, wie liquide die gehandelten Optionen sind. Je geringer die Differenz ist, desto höher die Liquidität der gehandelten Option und desto schneller kommt ihr in den grünen Bereich. Zur Veranschaulichung betrachten wir mal ein Beispiel. Ihr kauft einen Call mit dem Strike von 139$. Ihr sucht nun in der Optionskette die jeweilige Zeile mit dem 139$ Strike und schaut dann auf der linken Seite nach dem Briefkurs. Wir erinnern uns Call –> linke Seite, kaufen –> Briefkurs. Dort sehen wir 3,20$ stehen. Da es sich bei einem Optionskontrakt ja immer um 100 Aktien dreht, bedeutet das, dass ihr 320$ für diese Option bezahlen müsst. Wenn ihr nach dem Kauf eure bestehende Position betrachtet wird euch auffallen, dass diese direkt im Minus notiert. Das liegt daran, dass wenn ihr den gekauften Optionskontrakt sofort wieder verkaufen würdet, ihr nur den Geldkurs dafür erhalten würdet. Dieser beträgt 3,10$, das bedeutet 310$ pro Kontrakt. Ihr hättet dann 10$ Verlust gemacht zzgl. der Transaktionskosten. Je enger der Spread, desto geringer ist dieser anfängliche ‚Verlust‘ und desto schneller könnt ihr auf einen grünen Zweig kommen.

Last (Letzter Kurs):

gibt an zu welchem Kurs der letzte Handel ausgeführt wurde, in der Regel liegt dieser Wert innerhalb der Geld-Brief-Spanne.

Volumen:

gibt die Anzahl der an diesem Tag gehandelten Kontrakte an.

Offene Positionen (Open Interest):

gibt die Menge aller offenen Positionen an bzw. anders ausgedrückt: beschreibt die Menge der noch nicht geschlossenen Optionskontrakte. Dabei steigt der Wert, das Open Interest, wenn neue Positionen eröffnet werden (1), bleibt gleich wenn ein Handel zum öffnen und schließen einer Position führt (2) und sinkt wenn bestehende Postionen geschlossen werden (3).

(1) A kauft eine Option von B (B leerverkauft an A) –> beide eröffnen eine Position –> Open Interest +1

(2) A verkauft seine Option an C –> A schließt Position und C eröffnet Position –> Open Interest +/- 0

(3) C verkauft seine Option an B –> C schließt seine Position und B schließt seine in (1) eröffnete Position ebenfalls –> Open Interest -1

Könnt ihr noch alles nachvollziehen? Bei Fragen oder Unklarheiten einfach kommentieren. 😉

Machen wir weiter mit den Griechen:

Delta:

Das Delta ist die wohl beliebteste und wichtigste Kennzahl wenn es um den Handel von Optionen geht. Es gibt an wie stark sich der Preis einer Option verändert, wenn sich der Preis des Basiswertes um 1 Einheit verändert. Es liegt immer zwischen 0 und 1 für Calls und zwischen 0 und -1 für Puts.

Wenn wir für unseren 139er-Call das Delta heraussuchen, erhalten wir einen Wert von 0,681. Sollte die Apple Aktie nun um 1$ steigen, würde unser Call 0,681$ an Wert gewinnen. Sofern alle anderen Kennzahlen konstant bleiben würden, wären die neuen Geld- und Briefkurse: 3,781$ und 3,881$.

Darüberhinaus gibt es noch eine weitere Bedeutung. Oftmals wird mithilfe des Deltas auch die Wahrscheinlichkeit bestimmt, mit der eine Option am Ende ihrer Laufzeit ausgeübt wird. In unserem Beispiel würde ein Delta von 0,681 bedeuten, dass der Call mit 68,1% Wahrscheinlichkeit am Ende der Laufzeit ausgeübt wird. Demzufolge besteht eine 31,9% Chance, dass der Kurs von Apple am 13. April über 139$ notiert. Die Beträge der Deltas eines Puts und eines Calls mit selber Laufzeit und selben Strike ergeben zusammen addiert 1. Da ja eine von beiden Optionen auf jeden Fall ausgeübt werden wird.

Natürlich ist diese Methode keine exakte Wiedergabe der jeweiligen Eintrittswahrscheinlichkeiten und wird auch von einigen Händlern kritisiert. Jedoch ist sie leicht verständlich und liefert schnell gute Anhaltspunkte. Bezieht man dieses Auswahlkriterium mit ein und handelt ausschließlich Optionen mit geringen Deltas von 0,2 und weniger, hat man auf lange Sicht die Wahrscheinlichkeit auf seiner Seite. Natürlich wird es trotzdem Optionen geben die ausgeübt werden und auf jeden Fall solltet ihr auch noch andere Kennzahlen und Fakten betrachten, bevor ihr eine Option kauft oder verkauft.

Gamma:

Wenn sich der Marktpreis einer Aktie ändert, was praktisch ständig der Fall ist, führt das dazu, dass sich der Abstand zwischen Strike und Kurs und somit auch das Delta verändert. Das Gamma beschreibt dabei wie stark die Änderung des Deltas ist, wenn sich der Basispreis um 1 Einheit verändert und die restlichen Werte konstant bleiben.

Vega:

gibt an wie sich der Optionspreis verändert, wenn sich die Volatilität des Basiswertes um 1 Prozentpunkt verändert, unter der Voraussetzung das alle anderen Größen konstant bleiben.

Theta:

Optionen unterliegen, wie wir in den vorangegangenen Teilen schon geklärt hatten, einem Zeitwertverfall. Das Theta gibt dabei an wie sich der Preis der Option verändert, wenn sich die Restlaufzeit um 1 Tag verringert. Das Theta ist somit immer negativ. Dieser Werteverfall nimmt außerdem mit kürzer werdender Restlaufzeit zu bis der Zeitwert letztendlich 0 Beträgt. Auch hier wird wieder unterstellt, dass alle restlichen Größen konstant bleiben.

Implizite Volatilität:

Diese könnt ihr ganz klein oben rechts in der Ecke finden, unter dem Button ‚Meine Optionsketten laden‘. Sie gibt an welche Volatilität, also Kursschwankungen, für den jeweiligen Basiswert erwartet werden. Je höher dieser Wert ist, desto teurer werden die Optionen

Natürlich umfasst diese Aufstellung nicht alle Kennzahlen und Optionsketten können auch von Anbieter zu Anbieter variieren bzw. kann man in vielen Fällen sich auch selber aussuchen, welche Kennzahlen angezeigt werden sollen. Je nach Strategie und Vorlieben kann sich das Aussehen daher unterscheiden.

Einen ähnlichen Beitrag hat auch bereits mein Kollege Chris auf seinem Blog geschrieben. Der Vollständigkeit halber, wollte ich dieses Thema aber nicht in meiner Optionsserie außen vor lassen. Schaut also gern auch auf seiner Seite vorbei. Falls ihr noch ein paar mehr Informationen und Beispiele sehen wollt, schaut am Besten im Wissensbereich von Lynx vorbei, da ist das Ganze auch sehr schön ausführlich aufbereitet.

Abschließend möchte ich auch diesen Blogeintrag, der gleichzeitig auch das Ende der Wissensserie darstellt mit einem Zitat beenden.

„By failing to prepare, you are preparing to fail.“

Benjamin Franklin

Also bleibt immer wissbegierig, die nächste Beitragsserie kommt gewiss. 🙂

Werbeanzeigen

4 Gedanken zu “Die Optionskette und die Griechen

    1. Hallo Gurki,
      vielen Dank für die Rückmeldung. Das freut mich, dass es gut zu erkennen ist. 🙂 Scheinbar liegt es bei mir am externen Monitor, der kann das wohl nicht so gut darstellen, während es auf dem Laptop Monitor wesentlich schärfer ist.
      Viele Grüße
      Christian

      Gefällt mir

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s