Gewinn- vs. Verlustjahre der Börse

Habt ihr euch auch schon mal gefragt wie das Verhältnis zwischen Gewinn- und Verlustjahren an der Börse eigentlich aussieht?

Ich habe mich mal schlau gemacht, die historischen Daten für Dax und S&P 500 herausgekramt und nachgezählt wie viele Jahre mit Gewinn bzw. Verlust beendet wurden.

Der betrachtete Zeitraum beim S&P 500, also den 500 größten amerikanischen Unternehmen, geht bis 1950 zurück und umfasst somit 67 Jahre. Beim deutschen Aktienindex reichten die Daten bis 1959, was eine Zeitspanne von 58 Jahren ergibt.

Die deutsche Aktienkultur legt nahe, dass Aktien Teufelszeug sind. Ein typisch deutscher Sparbuchliebhaber, der sich kurz vor der Finanzkrise einmal an die Börse getraut und die Hälfte seines Vermögens verzockt hat, glaubt vielleicht folgendes: Gewinne mag man sicherlich mit einzelnen Aktien machen können, aber gleich mit 500 zusammen und dann auch noch über einen Zeitraum von einem Jahr. Von solchen Gewinnperioden gibt es sicherlich nur eine Hand voll, wenn überhaupt. Aktien hatte ich einmal, das ging schief, davon lass ich ab nun lieber die Finger. Doch weit gefehlt!

Klar in 2011 hat der S&P 500 38,5% verloren und der Dax sogar über 40%. In der Spitze zwischen 2007 und 2009 hat der Dax sogar fast 55% verloren. Um das wieder rauszuholen braucht es natürlich viel Zeit. Doch hätte man Anfang 2009 nochmal Geld nachgeschoben, weil man im Jahr zuvor nicht gleich Hals über Kopf in den Markt gestürzt ist, nachdem man in der Zeitung gelesen hat: „Jetzt in Aktien investieren!“ (aktuelles Beispiel: „So retten Sie jetzt Ihr Geld!“), ergäbe sich folgendes Bild:

Anstatt das von 20.000€ nur noch 12.000€ übrig sind, wurden Anfang 2008 lediglich 10.000€ investiert, von denen noch grob 6.000€ übrig sind. Die anderen 10.000€ wurden Anfang 2009 investiert, um das Risiko zu vermeiden, dass man mit einer einzelnen Investition genau am Hochpunkt einsteigt. In diesem Beispiel wurde somit der Einstandskurs wesentlich reduziert und man konnte mehr Aktien für das selbe Geld einsammeln. In 2009 machte der Dax eine Rendite von 23,85%. Aus den Anfang 2009 verbleibenden 16.000€ wurden somit zum Jahresende hin 19.816€ Nach einem Jahr war man somit fast schon wieder +/- 0 und das obwohl man 2008 zu einem ziemlich ungünstigen Zeitpunkt eingestiegen ist. Nur durch ein bisschen finanzielle Bildung und Risikomanagement.

Nun aber mal zurück zum Thema, ich bin ja ganz schön abgeschwiffen. 😀

Die Gewinnjahre überwiegen!

1,2,3 nachgezählt und ja tatsächlich, die Jahre in denen die Indizes positive Renditen erwirtschaften konnten überwiegen und das sogar relativ deutlich.

Während es sich beim Dax auf ca. 2/3 Gewinnjahre, 1/3 Verlustjahre einpendelt. Stehen beim S&P 500 knapp 3/4 Gewinnjahre, 1/4 Verlustjahre gegenüber.

Ergebnis 67 Jahre S&P 500:

Jahre Ergebnis Anteil
49 positiv 73,13%
17 negativ 25,37%
1 neutral 1,49%

Ergebnis 58 Jahre DAX:

Jahre Ergebnis Anteil
39 positiv 67,24%
19 negativ 32,76%

Nun könntet ihr natürlich sagen, dass die Verlustjahre viel stärker sind, als die Gewinnjahre, doch dies ist nicht der Fall.

Verlustjahre fallen schwächer aus als Gewinnjahre!

Wenn man die einzelnen Jahresrenditen summiert und durch die Anzahl Verlust- bzw. Gewinnjahre dividiert, ergibt sich genau das Gegenteil.

S&P 500 DAX
Ø Verlustjahre -13,08% -17,36%
Ø Gewinnjahre 16,85% 21,57%

Scheinbar legen die Indizes in einem guten Jahr stärker zu als sie in einem schlechten Jahr einbüßen. Doch ganz korrekt betrachtet ist das noch nicht. Denn wenn ihr dieses Jahr 10% Gewinn macht und im nächsten 10% Verlust, landet ihr nicht wieder bei 100%.

100€ + 10% = 110€
110€ – 10% = 110€ – 11€ = 99€

Auf die Durchschnittswerte des S&P 500 anwendet, wird ein 16,85% Anstieg durch einen darauffolgenden Rückgang von 14,42% neutralisiert. Kommt das Verlustjahr zuerst, bräuchtet ihr einen 15,05% Anstieg um einen 13,08% Rückgang wieder aufzuholen. Dadurch lässt sich festhalten, dass die Gewinnjahre wirklich stärker ausfallen als die Verlustjahre.

Nicht nur die Durchschnittswerte, sondern auch die absoluten Renditen fallen auf positiver und negativer Seite ähnlich aus. Damit ist gemeint, dass Kursrückgängen von bis zu 40% in einem Jahr auch positive Renditen zwischen 40-50% gegenüberstehen können. Der größte Kursanstieg in der ausgewählten Historie beläuft sich beim Dax im Jahr 1985 auf 66,43%.

Ein langer Anlagehorizont zahlt sich aus!

Durch die Betrachtung der Gewinn- und Verlustjahre an der Börse wird wieder einmal ersichtlich, dass es sich lohnt langfristig in Aktien investiert zu sein. In der Vergangenheit hat es sich in der Regel ausgezahlt, wenn ihr in Krisenzeiten cool geblieben seid und die Sache ausgesessen habt, anstatt am Tiefpunkt zu verkaufen.

Die längste Serie an Verlustjahren beträgt bei beiden Indizes übrigens 3 Jahre in Folge. Es braucht also durchaus eine große Portion Durchhaltevermögen und starke Nerven.

Besonders lukrativ ist es außerdem, wenn ihr nach starken Kursrückgängen den Mut habt, Aktien nachzukaufen. Denn dann könnt ihr oftmals gute Unternehmen zu „Schnäppchenpreisen“ einsammeln und die Wahrscheinlichkeit ist relativ hoch, dass es in den nächsten Jahren wieder steil bergauf geht. Für solche Situationen solltet ihr euch ein gewisses Cashpolster aufrecht erhalten.

Fazit

Buy and Hold kann an der Börse sehr gut funktionieren, wenn ihr eure Investitionen auf mehrere Zeitpunkte verteilt, um den Kauf zu Höchstpreisen zu vermeiden. Und wenn ihr, auch wenn es statistisch gesehen an der Börse eher nach oben als nach unten geht, das Durchhaltevermögen besitzt, Krisen auszusitzen, sowie den Mut, eben dann Nachkäufe zu tätigen.

„An der Börse sind 2 mal 2 niemals 4, sondern 5 minus 1. Man muss nur die Nerven und das Geld haben, das minus 1 auszuhalten.“

André Kostolany

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4 Gedanken zu “Gewinn- vs. Verlustjahre der Börse

  1. Hi,
    Tolle Aufstellung die aufzeigt, dass der Großteil der Jahre positiv ausfällt und es sich lohnt in Aktien zu investieren.
    Jedoch ist die Rechnung 20.000 € zu spliten nur solange richtig, solange wirklich schnell danach ein ziemlicher Einbruch folgt. Denn wen jemand dies prognostizieren könnte, würde er ziemlich schnell Millionär sein am Aktienmarkt! Ansonsten bringt der Cost-Average Effekt (Spliten der Investitionen) Einbußen bei der Rendite mit sich!
    Liebe Grüße
    Florian

    Gefällt 1 Person

    1. Hi Florian,

      da stimme ich dir komplett zu! Das Aufsplitten der Investitionssumme geht in der Regel mit Renditeeinbußen einher. Jedoch vermindert es auch das Risiko. Ich hatte das in einem Beitrag zu Cost-Average genau erläutert: https://finanzfreunde.wordpress.com/2017/01/16/cost-average-effekt/ Den kennst du ja 🙂

      Eine sofortige Einmalinvestition weist bei vergleichsweise höchstem Risiko auch die höchste Rendite auf. Während beides bis auf ein bestimmtes Niveau abnimmt, je öfter die Investitionsbeiträge gesplittet werden.

      Wie du schon richtig sagst, weis keiner genau wann der Markt einbrechen wird. Wenn man also heute 20.000€ investiert, kann der Markt morgen einstürzen und man braucht ziemlich lang, bis man wieder +/- 0 ist. Wenn man sich entschließt zu warten, kann der Aktienmarkt die nächsten 2,3,4 Jahre weiter steigen und man hat es verpasst die Rendite mitzunehmen. Ein Aufsplitten kann somit, je nach eigenem Risikoverhalten sehr ratsam sein und bringt unabhängig davon welches Szenario eintritt eine gewisse Durchschnittsrendite, die weder dem Worst Case noch dem Best Case Szenario entsprechen wird.

      Vielen Dank für deinen Kommentar, es ist sehr gut, dass das nochmal klar herausgestellt wurde. Risiko und Rendite hängt halt in der Regel immer zusammen. 🙂

      VG Christian

      Gefällt mir

    1. Hey FF,

      schön von dir zu hören, verzeih bitte die späte Antwort.

      Hab gerade mal die Kommentare bei dir überflogen und kann dir bzw. deinen Lesern da folgenden Beitrag empfehlen den ich vor einiger Zeit geschrieben habe: https://finanzfreunde.wordpress.com/2017/01/16/cost-average-effekt/
      Darin habe ich auch den wissenschaftlichen Artikel verlinkt, der sich intensiv mit diesem Thema auseinander gesetzt hat.

      Letztendlich ist da klar aufgezeigt, dass eine Einmalanlage die besseren Renditechancen besitzt. Dabei allerdings auch ein höheres Risiko aufweist. Deine Leser führen an, dass man mit einer Einmalanlage schlechter abschneidet, wenn man genau am Hoch einsteigt. Das ist natürlich wahr, betrachtet allerdings nur einen einzigen Zeitpunkt und vernachlässigt alle anderen. Eine solche Ansicht ist mir dann doch etwas zu begrenzt und keinesfalls rational.
      Mithilfe von Costaveraging kann das Risiko zu eben diesem falschen Zeitpunkt einzusteigen deutlich reduziert werden. Jedoch bezahlt man dafür auch mit einer geringeren Rendite.
      Risiko und Rendite hängen nun mal zusammen 😉 Von daher ist das Ganze im Endeffekt abhängig von der eigenen Risikoneigung.

      Viele Grüße,
      Christian

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