Diversifikation – genug ist zu wenig

Diversifikation

Beschäftigt man sich ein wenig mit der Geldanlage, so trifft man ziemlich schnell auf den Begriff Diversifikation. Praktisch überall wird dazu geraten, seine Investments ausreichend zu diversifizieren. Doch was versteht man darunter überhaupt?

Diversifikation wird oft auch als Risikostreuung bezeichnet. Sie dient der Erhöhung von Chancen und/oder der Reduzierung von Risiken, indem die vorhandenen Wahlmöglichkeiten ausgeweitet werden. Der Begriff Diversifikation bezieht sich dabei nicht nur auf die Streuung von Aktieninvestments, sondern auch auf Sortiment, Lieferanten, Kunden, Geschäftspartner etc. von Unternehmen.

Für uns bedeutet dies grundsätzlich erst einmal, dass ein Depot aus mehreren verschiedenen Aktien bestehen sollte, damit sich Chancen und Risiken auf diese verteilen und wir nicht von einem einzelnen Unternehmen abhängig sind. Gleichzeitig stellt sich aber die Frage, was mit Hinweis „ausreichend zu diversifizieren“ eigentlich immer gemeint ist. Gilt hier je mehr desto besser?

Nein nicht wirklich, denn zum einen sollte man die damit verbundenen Kosten nicht vergessen, je mehr verschiedene Aktien wir kaufen, desto höher werden auch die Transaktionskosten ausfallen. Zum anderen würde sich unsere Performance mit zunehmender Aktienanzahl immer mehr der Performance der Benchmark angleichen und das würde im Endeffekt bedeuten, dass wir auch gleich einen ETF auf diese Benchmark kaufen könnten. Da ich das Ganze aus Risiko-Rendite-Sicht betrachte, lasse ich Punkte wie zunehmende Unübersichtlichkeit hier erst einmal unbeachtet.

Korrelation

Viel wichtiger als die bloße Anzahl an verschiedenen Aktien ist bei der Diversifikation die Korrelation zwischen den einzelnen Aktien.

Korrelation beschreibt einen Zusammenhang zwischen zwei verschiedenen Variablen und misst dessen Stärke. Dies wird mithilfe des Korrelationskoeffizienten ausgedrückt, welcher Werte von -1 bis 1 annehmen kann. Bei positiven Werten spricht man von positiver Korrelation, je mehr Variable A, desto mehr Variable B. Analog für negative Werte. Ist der Koeffizient 0 besteht keine Korrelation. Wichtig! Korrelationen bedeuten nicht zwingend Kausalitäten!

Betrachten wir ein fiktives Beispiel: Ihr habt in eurem Depot eine Autoaktie liegen. Um zu diversifizieren legt ihr euch nun noch einige weitere Autohersteller ins Depot. Ihr haltet nun vielleicht 10-15 verschiedene Aktien, aber seid ihr deswegen gleich gut diversifiziert? Ihr könnt euch sicher denken, dass die Antwort ‚Nein‘ lautet. Die verschiedenen Autobauer, werden zwar keinen Korrelationskoeffizienten von 1 haben, aber dennoch wird sich dieser deutlich im positiven Bereich befinden. Das bedeutet im Endeffekt, wenn morgen jemand kommt und funktionierende Luftgleiter wie in Star Wars verkauft, ist es egal ob ihr 1 oder 10 Autohersteller im Depot habt, vermutlich werden alle ordentlich an Wert einbüßen. Nun schlagt ihr vielleicht vor besser Unternehmen zu kaufen, die negativ korrelieren. Ihr holt euch also anstatt weiterer Autoaktien, den Luftgleiterhersteller mit ins Depot. Das ist auf jeden Fall schon besser, aber immer noch nicht optimal, denn eure Gewinne mit dem Luftgleiterunternehmen werden sofort durch die Verluste der Autoaktie aufgezehrt. Optimal wäre es also wenn wir Aktien finden würden, die überhaupt nicht miteinander korrelieren, also einen Korrelationskoeffizienten von 0 haben oder zumindest ziemlich nah bei 0 liegen. Um dies zu erreichen, wird immer wieder geraten über verschiedene Länder, Branchen und nicht zuletzt auch Asset Klassen zu streuen.

Aktienanzahl im Depot

So weit so gut, aber wie viele Aktien die möglichst nicht miteinander korrelieren brauchen wir denn letztendlich?

Gute Frage, darüber scheinen sich auch viele schlaue Leute nicht einig zu werden. Heißt es vom Großmeister Warren Buffett persönlich, dass:

„Diversifizieren ist ein Schutz gegen Unwissen. Es macht wenig Sinn für diejenigen, die Bescheid wissen.”

Warren Buffett

so empfiehlt das Deutsche Aktieninstitut 8 bis 10 Einzeltitel. Die Autoren des Buches „Investment Analysis and Portfolio Management“ Frank Reilly und Keith Brown kommen zu dem Schluss, dass mit 12 bis 18 Aktien ca. 90% des Nutzens von Diversifikation erzielt werden kann. Wohingegen James P. O’Shaughnessy in seinem Buch „Die besten Anlagestrategien aller Zeiten“ schreibt, dass mindestens 25 verschiedene Aktien erforderlich seien. Sollten Small Caps enthalten sein, wären sogar 50 Aktien sinnvoll. Allein seine Aussagen unterscheiden sich schon immens. So gab er in einer anderen Quelle an, dass die besten Ergebnisse bei seinen Untersuchungen des Value Stils, ein Depot mit lediglich 5 Titeln lieferte. Unter Risikoertragsgesichtspunkten sollten es hingegen 15 Titel sein. Ja, was denn nun??? Nur um es noch etwas interessanter zu gestalten zum Schluss noch folgendes: Meir Statman untersuchte diesen Sachverhalt unter der Betrachtung der Grenzkosten. Sprich Diversifikation lohne sich solange bis die Grenzkosten den Grenznutzen übersteigen. Für ihn ergab sich dabei ein optimales Level von rund 300 Aktien.

Jetzt hatten wir wenigstens alles mal dabei 🙂 Eine klare oder richtige Antwort gibt es letztendlich nicht und wie ihr sicher selbst schon gemerkt habt, ist das Ganze auch abhängig von der persönlichen Strategie. Wer gern in Wachstumsunternehmen investiert, sollte etwas mehr streuen als jemand der sein Geld in unterbewertete Blue Chips steckt. Für mich persönlich habe ich keine konkrete Zahl im Kopf. Aktuell habe ich 5 Unternehmen im Depot und das ist mir deutlich zu wenig. Da ich mir ja einen Einkommensstrom aus den Dividenden aufbauen möchte, wären sofort 20% meiner Einkünfte weg, wenn ein Unternehmen die Dividende streicht. Ich strebe hier also eher um die 20-25 Unternehmen an. Dazu kommt noch, dass ich im Grunde nicht gewillt bin, einmal gekaufte Unternehmen jemals wieder zu verkaufen. Ich kann mir daher auch vorstellen später irgendwann 50 Unternehmen im Depot zu haben. Das werde ich einfach auf mich zukommen lassen. Mich da jetzt schon endgültig festzulegen, erscheint mir zu zeitig.

Abschließend möchte ich noch kurz etwas zum gewählten Zitat sagen. Da dieses ja eher gegen Diversifizierung spricht. Ich habe es jedoch extra für diesen Beitrag gewählt, da ich es besonders wichtig finde, dass man nicht einfach blind in zig verschiedene Unternehmen investiert. Sondern, dass man sich vorher so gut es geht, seinen Möglichkeiten entsprechend, über die Unternehmen informiert die man kaufen möchte und sich eine eigene Meinung bildet. Die Anzahl der Unternehmen die man danach noch wirklich kaufen möchte, wird sich dadurch schon erheblich reduzieren. Wenn man dann noch darauf achtet in verschiedene Branchen und Länder zu investieren, wird es letztendlich nicht entscheidend sein, ob man 10 oder 30 Aktien im Depot hat.

 

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2 Gedanken zu “Diversifikation – genug ist zu wenig

  1. Hallo Christian,

    vielen Dank, eine schöne Darstellung des Themas!
    Wenn Du darstellst,

    „Für uns bedeutet dies grundsätzlich erst einmal, dass ein Depot aus mehreren verschiedenen Aktien bestehen sollte, damit sich Chancen und Risiken auf diese verteilen und wir nicht von einem einzelnen Unternehmen abhängig sind.“

    dann steigst Du aber ziemlich weit „unten“ beim Thema ein. Zunächst einmal beginnt die Diversifikation von Finanzanlagen bei der Aufteilung des Vermögens auf verschiedene Vermögensklassen (Aktien/Anleihen, Immobilien, Cash/Geld, Rohstoffe). Innerhalb jeder Anlageklasse kann man weiter diversifizieren, so z.B. im Aktienmarkt (Aktien, Anleihen, Fonds,, ETF’s, Zertifikate, Optionen, …). Hier sollte man sich bewusst werden, welches Risiko besteht, wird angelegt, investiert oder spekuliert, welche Anlagezeiträume sind betroffen, etc.

    Die Betrachtung der Korrelation von Aktien folgt erst danach. Ich halte Diversifikation für sehr wichtig. Die Gedanken der Streuung von Einzelaktien sind aber erst dann sinnvoll, wenn man für sich eine Diversifikation der Ebenen oberhalb getroffen hat. Dann darfst Du gerne mit Deiner grundsätzlichen These aufwarten.

    Gruß, ReLindoMan

    Gefällt 1 Person

    1. Hi ReLindoMan,

      ich stimme dir voll und ganz zu und danke dir für deinen Kommentar.
      Der etwas ‚tiefere‘ Einstieg ins Thema Diversifikation ist dem Punkt geschuldet, dass ich persönlich alles investierte Geld in Aktien habe. Bei Optionen sehe ich für mich nur einen geringen Diversifikationsbeitrag, da diese ja wiederum auf Aktien laufen bei mir. Ich habe daher aktuell eigentlich keine Diversifikation auf Assetklassenebene.
      Wie du schon sagst, würde die Diversifikation über die Assetklassen in der Theorie davor kommen, dass hätte jetzt hier meinen Beitrag gesprengt. Aber ich werde das später mit Sicherheit noch einmal aufgreifen.
      Ich hoffe, dass die veränderte Reihenfolge nicht ganz so schlimm ist, da viele Leute bei Börse wahrscheinlich erst einmal an Aktien denken und erst später zu dem Punkt kommen, darüber nachzudenken auch über andere Assetklassen zu streuen. So wie ich zum Beispiel 😉
      Nichtsdestotrotz hast du natürlich 100% recht.

      Viele Grüße
      Christian

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